Am Patienten vorbei
- Pro:
- freie Gesprächsgruppe, Musiktherapie, Körpertherapie
- Kontra:
- keine diagnosegerechte Behandlung
- Krankheitsbild:
- Borderline-PS, Trauma, mittelschwere Depression.
- Privatpatient:
- nein
- Erfahrungsbericht:
-
Mir kam es darauf an, besser mit Traumafolgen und BPS-bedingten Stimmungsschwankungen zurecht zu kommen. Dem wurde die Klinik nicht gerecht,
Klinkseits wurde ich nicht über das Angebot an Therapien aufgeklärt. Eine gute Informationsquelle waren die anderen Patienten, dann galt es, sich die passenden Gruppen zu erkämpfen. Trotz meiner BPS wurde mir die Möglichkeit, am entsprechenden Programm teilzunehmen, nicht eingeräumt.
Mit meinem Bezugstherapeuten konnte ich keinen roten Faden herausarbeiten, er wirkte oft unbeholfen. Sein Urlaubsvertreter hat mir deutlich besser geholfen, weshalb ich gern bei ihm geblieben wäre. Dies war nicht möglich, und nach dem Wechsel zurück schien der alte Bezugstherapeut nichts über meine Gespräche mit seinem Vertreter zu wissen. Den Eindruck, dass die verschiedenen TherapeutInnen sich nicht über die Patienten ausgetauscht haben, hatte ich auch insgesamt. So wusste zB mein Bezugstherapeut nichts von Flashbacks und Panik, die ich in Gruppen hatte. Zudem wurden diese Gefühle nicht vom Klinikteam aufgefangen, sondern von Mitpatienten.
Mein Kernthema wurde erst nach 2/3 der Zeit in der Gesprächsgruppe "geöffnet" und in der verbleibenden Zeit nicht hinreichend bearbeitet. Mir ging es zunehmend schlechter, sodass ich um Verlängerung auf die bei Mitpatienten übliche Dauer von 12 W bat. Dies wurde abgelehnt, es handele sich nur um eine "Endverschlechterung aus Angst vor dem Zuhause". Meine Erklärungsversuche, dass mein Zuhause mir keine Angst mache, sondern mein Trauma momentan weit offen sei, wurden nicht ernst genommen.
Erst am letzten Nachmittag vor meiner Abreise wurden mir in einem 10-minütigen Gespräch 2 neue Diagnosen von der Oberärztin mitgeteilt. Erläutert wurden mir diese Diagnosen und ihre Begründung nicht, sondern nur 10 Seiten aus einem Lehrbuch in die Hand gegeben, die bei mir 1.000 Fragezeichen hinterlassen haben. Ich habe mir die Diagnosen dann von meinem ambulanten Psychologen und meiner Psychiaterin erklären lassen, beide halten sie für nicht zutreffend.
Im Langbrief schließlich standen biografische und auch sonstige Angaben, die falsch waren. Ich habe mich also gefragt, inwieweit mein Bezugspsychologe mir überhaupt (richtig) zugehört hat.
Insgesamt ging es mir wegen der Entlassung mit "offener Wunde" bei meiner Abreise deutlich schlechter als bei meiner Ankunft. Ich würde die Klinik daher nicht wieder aufsuchen.


1 Kommentar
Hi Anne, tut mir leid. Ich selber habe auch keine positiven Erfahrungen dort gemacht. Im Gegenteil, Vormittags noch eine ordentliche Angstattacke gehabt ( saß in der äußersten Ecke vom Wachbecken, wo eine Pflegerin mich wieder unter weg holen musst.) Am Nachmittag, wurde ich dann rausgeschmissen, mit der Aussage, ich soll im Juli wiederkommen.