Aus medizinischen Gründen als nicht rehafähig eingestuft und von der Therapie ausgeschlossen
- Pro:
- Umgebung und Anlagen sind wunderschön
- Kontra:
- Man kommt als hilfesuchende Person und wird als völlig hilfloses Wesen regelrecht vor die Tür gesetzt
- Krankheitsbild:
- Alkoholabhängigkeit, Essstörung
- Privatpatient:
- nein
- Erfahrungsbericht:
-
Die Umgebung, die Zimmer, die Verpflegung - alles ist wie im Bilderbuch. Ein Traum - scheinbar. Er kann schnell zum Alptraum werden.
Die Mitpatientinnen waren lieb, die Therapien völlig OK. Ich war froh und hoffte, die Klinik in einer besseren Verfassung verlassen zu können als bei meinem Eintreffen.
Leider brachte ich neben der Sucht auch eine Esstörung mit, die ich nie verheimlicht hatte. Verheerenderweise bockte mein Elektrolythaushalt eines Tages. Ich hatte einen Kreislaufkollapps und wurde mit schlechten Kaliumwerten ins Krankenhaus gebracht, wo man mich wieder "hochfuhr". Meine Werte erreichten gerade den Normbereich, da fiel in der Heimat mein Schwiegervater in einen komatösen Zustand. Da meine Werte nun stabil waren, bat ich um Entlassung aus dem Krankenhaus, was man mir auf eigene Gefahr zugestand.
Aufgrund dieser Handlung - ich wollte meinen Schwiegervater vor seinem möglichen Tod noch einmal sehen - wurde ich von Zissendorf aus als nicht rehafähig erklärt. Ich durfte mein Gepäck abholen kommen. Voller Hohn lies man mich am Tag der Abholung erst mal pusten, in der Hoffnung, ich sei direkt mit Promille angerückt. Grinsend wollte man mich dann wohl gleich wieder vom Gelände schmeißen, ohne mein Eigentum mitnehmen zu dürfen. Leider ein Fehlschlag. Die Enttäuschung in den Augen der Klinikleitung wärmt mir bis heute das Herz. Aber am Ende haben "sie" dann doch noch gewonnen: Bis dahin war ich entgiftet und trocken. Dann kam natürlich der Rückfall. Immerhin lebt mein Schwiegervater derzeit noch.
Fazit für mich: Manchen Menschen im "Gesundheits"-System geht es nicht darum, anderen zu helfen. Es geht um die Ausübung von Macht. Ist eigentlich nicht neu, aber es schmerzt, wenn man es am eigenen Leib zu spüren bekommt.


1 Kommentar
Ihrem Erfahrungsbericht kann ich nur zustimmen. Vor allem das sehr engagierte und motivierende Team war auch für mich 2005/2006 ein großer Glücksfall.
Für Ihre Zukunft ohne Alkohol wünsche ich Ihnen alles Gute!