Wenn Psychotherapie ein würdeloser Raum wird...
- Pro:
- Angenehme Mitpatient*innen und sehr ruhige Lage direkt am See
- Kontra:
- Empathieversagen und Autorität statt sicherem Rahmen
- Krankheitsbild:
- kPTBS, schwere depressive Episode
- Privatpatient:
- nein
- Erfahrungsbericht:
-
Psychisch erkrankte Menschen geben sich gerne selbst die Schuld- auch am Scheitern einer Therapie. Wenn sooo viele gute Bewertungen hier sind, muss es ja an mir liegen. Oder nicht? Die Oberbergklinik Berlin-Brandenburg wirbt damit, auch schwere Traumatisierungen behandeln zu können und dies auf fachlich hohem Niveau und gemäß dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu tun. Da dies immer auch mehr zeitlichen und persönlichen Aufwand erfordert, erscheint der sehr hohe Tagessatz zunächst plausibel. Es heißt, Krisen könnten hier besonders schnell aufgefangen werden. Davon habe ich leider nichts gemerkt. Stattdessen hat diese Klinik hat mir geschadet, weil kein Bewusstsein dafür vorhanden ist, dass ein sicherer Rahmen die unbedingte Voraussetzung für eine Traumabehandlung ist. Hier wird einfach ignoriert, dass das Vertrauen in die therapeutische Beziehung bei Komplextraumatisierungen nicht einfach vorausgesetzt werden kann, sondern immer wieder neu hergestellt werden muss.
Mir wurde die Klärung eines (letztlich retraumatisierenden) Vertrauensbruchs seitens der Klinik verweigert, obwohl ich mehrfach angemessen und konstruktiv darum gebeten habe. Das Behandlungsteam erscheint willkürlich und intransparent und die Behandelnden dürfen ihre negative Gegenübertragung ungebremst ausagieren. Eine Fehlerkultur, um Patient*innen zumindest nicht zu schaden, fehlt hier komplett. Trotzdem: die verzweifelte Hoffnung, endlich eine Traumatherapie machen zu können, hat mich dazu gebracht, mich anzupassen und meine Ansprüche weit zurückzunehmen. Ich selbst bin berufsbedingt darin geschult, interpersonelle Konflikte zu lösen, dazu ist aber Bereitschaft zu Kommunikation auf Augenhöhe nötig. Dies habe ich hier nicht erlebt. Die Visiten habe ich wie Tribunale erlebt, mir wurden Entscheidungen autoritär mitgeteilt, ohne dass es eine gemeinsame Reflektion des Behandlungsprozesses gegeben hätte. (Fortsetzung im Kommentar, s.u.)



1 Kommentar
Ich wurde als unmündige Patientin behandelt und in einem autoritären Ton zum Schweigen gebracht, der einfach unwürdig ist, zumal dann, wenn die so auftretende Person gleichzeitig die Traumatherapeutin ist, welch Versagen der Empathie! Ich musste die Behandlung aus Selbstschutz an dieser Stelle abbrechen. Nach sehr viel Einsatz (finanziell/ zeitlich/ mich mit meiner Biografie sehr verletzlich einzulassen) bin ich fassungslos, dass eine Klinik so respektlos mit mir und meinen Ressourcen umgeht. Denn das werfe ich Ihnen vor, liebe Verantwortlichen der Oberbergklinik: Nachdem ich Sie offen über meine Vorgeschichte und meine Bedürfnisse nach Sicherheit im Vorfeld der Behandlung informiert habe und Sie mehrfach gebeten habe, genau zu prüfen, ob Sie das leisten können, wären Sie mir schuldig gewesen, auftretende Schwierigkeiten auch zu klären. Der Abbruch hätte sich verhindern lassen, hätte mir rechtzeitig jemand zugehört. Für Menschen, die eine komplexe Traumafolgesymptomatik und eine komplexere Problemlage mitbringen (oder bereits einmal schädigende Therapieerfahrungen gemacht haben) bietet diese Klinik keine guten Bedingungen. Fehler passieren immer, auch Psychotherapeut sind fehlbar: Aber diese haben immer die Verantwortung und (Berufsordnung!) eine Fürsorgepflicht, ihren Patient*innen zumindest nicht zu schaden, wenn die Therapie schon nicht hilfreich ist.
Ein Beispiel noch für das unprofessionelle Agieren dort: Nachdem ein Patient Fotos bei Google eingestellt hatte, auf dem mehrere Personen zu sehen und zu erkennen waren, die derzeit in der Klinik behandelt wurden, sollte ein Mitpatient (!) ihm Bescheid sagen, dass er die Bilder löschen soll. So ernst wird der Schutz der Privatsphäre hier genommen...
Bei der Pflege wird man in einem einsehbaren Raum und oft auch recht lieblos, abgefertigt. Wer draußen steht, kann nicht nur zuschauen, sondern auch zuhören. Nur einzelne dort sensibel mit Menschen in psychischen Notlagen umgehen; diesen sei aber umso mehr gedankt.
Mir als selbständiger Person, die in einem über lange Zeit zugespitzten Erschöpfungszustand und mit einer komplexen Problemlage da war, hat diese Klinik geschadet. Das auf der Website angepriesene Motto „Von Mensch zu Mensch“ und das Versprechen einer "therapeutisch und menschlichen Behandlung „auf höchstem Niveau“ kann ich definitiv nicht bestätigen. Ob diese Klinik mich mit den Folgen (und den Folgekosten !!!) dieser Behandlung alleine lässt, ist zu erwarten.