Eine wirklich schreckliche Zeit
- Pro:
- kein Aspekt der mir in Errinerung geblieben ist
- Kontra:
- Methodik
- Krankheitsbild:
- ADS
- Privatpatient:
- nein
- Erfahrungsbericht:
-
Ich schreibe diesen Beitrag, um meine Erlebnisse zu verarbeiten und vielleicht damit abschließen zu können. Ich hatte einen schrecklichen Aufenthalt. Die Erinnerungen zu dieser Zeit kamen bei mir wie bei vielen Anderen auch erst im Nachhinein.
Als mich meine Eltern damals zu einem Psychologen brachten, aufgrund meiner schwachen schulischen Leistungen in der 5. Klasse, wurde bei mir ADS diagnostiziert. Dies war der Auslöser für meinen Aufenthalt in der Klinik.
Ich verbrachte ca. 6 Wochen dort. Abgesehen davon, dass ich in diesen 6 Wochen (davon 4 Wochen in der Schulzeit) so viel verpasste, dass ich genötigt war zu wiederholen, habe ich kaum etwas Positives zu berichten.
Bis heute bin ich mir sicher, dass ich mir einen Großteil meines Leids hätte ersparen können, wenn ich nicht allein zur Kur gefahren wäre.
Ich war damals ein sehr schmales, introvertiertes Kind, daher sahen sich die Bediensteten dazu gezwungen, mich "aufzupäppeln". Der Traum eines jeden Kindes, sich mit Süßkram vollzustopfen, sollte mir zuteilwerden. Doch ist das nur solange toll, wie man Hunger hat und niemandes Zorn auf sich zieht. Beides war nicht gegeben. Ich bekam zu jeder Mahlzeit zusätzlich Zuckerbomben, welche meinen kleinen Appetit selbstverständlich überstiegen und mich dank der Regel, dass man nicht aufstehen darf, solange nicht aufgegessen wurde, mit teilweise 1,5h Mahlzeiten bestraften. sowie den Unmut der adipösen Kinder, welche teilweise hungerten.
Ich meine mich noch an ein Unisex-Bad zu erinnern, wenn dies der Fall gewesen sein sollte, auch eher bedenklich.
Das Belohnungssystem mit der Bestrafung von Isolation ist jedoch für mich bis heute fragwürdig. Selbst die Möglichkeit des Telefonats mit den Eltern konnte versagt werden. Bis heute erinnere ich mich mit Schaudern, wie alle Handys eingesammelt wurden und nur am Abend im Beisein eines Angestellten die Eltern angerufen werden durften. Wer traut sich schon im Beisein zu erzählen, dass man die Einrichtung scheußlich findet?


3 Kommentare
Na hallo,
wegen des gleichen Problems war 1993 oder 1994 unsere Tochter, damals 6 bzw. 7-jährig, zur sechswöchigen Therapie in der Kurklinik. Sie hatte auch nicht nur positives zu berichten, streng waren die nur 2 gestatteten Besuche in dieser Zeit ... das Heimweh war riesig.
Wir haben regelmäßig telefoniert.
Erstaunlich war, daß ab den ersten Tag zur Kur die Höschen stets trocken geblieben sind ! Auch nach der Kur und später trat dieses Problem nie wieder auf.
Voller Kurerfolg - keine "Nebenwirkungen"